Aktive Entwärmung elektronischer Bauteile und Geräte rund um die Nutzung der Photovoltaik
Aktive Entwärmung elektronischer Bauteile und Geräte rund um die Nutzung der
Photovoltaik
Die Solarkonstante liefert mit theoretischen ca. 1,3 KW/m² im Mittel mehr als ausreichend Energie zur Erde. Über alle Zeiten hinweg erhielt diese Energie das Leben auf unserem Planeten aufrecht. Zeitgeschichtlich gesehen ist die Solarzelle auf Siliziumbasis eine brandneue Erfindung. Erste Anwendungsfelder waren sehr spezialisiert (Solarzellen an Satelliten) und hatten für die Stromerzeugung keine Relevanz. Durch die industrielle Fertigung von PV-Modulen und die staatliche Förderung von PV-Anlagen hat sich das in den letzten 20 Jahren grundlegend geändert. Unser enorm steigender Bedarf an elektrischer Energie kann durch sinkende Herstellungskosten und steigende Effizienz der Module und Konverter besser durch „Sonnenstrom“ gedeckt werden. Eine Sonderrolle nimmt hierbei die E-Mobilität ein. Die Wende vom fossilen Energieträger, den die Sonnenstrahlen vor Millionen von Jahren „aufgeladen“ haben zum E-Auto lässt den Strombedarf überall auf der Welt steigen.
Problemstellung
Zwischen Siliziumzelle und Steckdose verrichten verschiedene verlustleistungsbehaftete Geräte ihren Dienst, um die technische Anlage zuverlässig und normkonform zu betreiben. Dabei hat die Komplexität zugenommen und gleichzeitig wurden die Geräte kompakter. Es stieg, wie aus fast allen Bereichen der Elektrotechnik bekannt, auch die Leistungsdichte. Viel Leistung auf kleinem Raum bedeutet bei einem Wirkungsgrad, der bekannterweise unter 1 liegt, auch Verlustleistung. Da jede Temperaturerhöhung die Lebensdauererwartung von vielen beteiligten Bauteilen reduziert, ist es unerlässlich effektiv arbeitende Entwärmungskonzepte zu implementieren. Hierbei ergeben sich folgende Fragen
- die Kosten der Entwärmung
- die Auswirkung auf die Effizienz
- die Lebensdauer der elektromechanischen Komponenten (Lüfter)
- die Geräuschentwicklung und die Wartungsintensität
Im Folgenden geht es um die aktive Entwärmung der beteiligten Geräte und die weiteren, sich daraus ergebenden Überlegungen. Bei der aktiven Entwärmung wird der Einsatz eines Lüfters und eines Kühlkörpers vorausgesetzt.
Beteiligte Geräte
Solarpanel
Das Solarpanel wird direkt von der Sonne beschienen und gibt eine Gleichspannung aus. Das Modul muss nicht aktiv gekühlt werden.
Wechselrichter
Der Wechselrichter empfängt die Gleichspannung von den Panels und erzeugt daraus, durch einen Aufwärtswandler, Wechselstrom bzw. Drehstrom. Hier wird ein Großteil der Verlustleistung erzeugt und es besteht der größte Bedarf an aktiver Kühlung. Je nach Bauart sind 2-4 % der AC-Ausgangsleistung zu Entwärmen. Für einen 10 kW Konverter ergeben sich 200-400 W Verlustleistung. Überschlagsweise kann die Lüfterauswahl ohne Betrachtung der Gehäuseoberfläche wie folgt berechnet werden:
In Bild 2 können diese Werte für Verlustleistungen bis 1 kW und verschiedene Temperaturerhöhungen abgelesen werden. Hier gilt zu bedenken, dass eine um 10K höhere Bauteiltemperatur die Lebensdauererwartung des Systems halbiert. Eine tendenziell großzügigere Auslegung des Kühlsystems drängt sich also auf.
Da mit steigendem Volumenstrom die Geräuschentwicklung zunimmt, sollte im Wechselrichter sorgfältig ein aktives Geräuschmanagement betrieben werden (siehe Absatz Geräuschentwicklung).
PV Speicher
Der Photovoltaik Speicher für die gesammelte Elektroenergie erzeugt keine nennenswerte Verlustleistung und muss daher ebenso wie die Panels nicht aktiv gekühlt werden. Ausnahmen bilden hier Speichereinheiten mit integrierten Wechselrichtern.
Ethernet Gateway
Steuerung und Überwachung der gesamten PV-Anlage ist in allen Fällen zentraler Bestandteil und nicht wegzudenken. Das Gateway bündelt und übersetzt die Kommunikation der Komponenten und zum Betreiber der PV-Anlage. Hier kommen System-on-a-Chip (SoC) Prozessoren zum Einsatz, die bedingt durch hohe Übertragungsraten gekühlt werden müssen. Die Verlustleistungen betragen wenige Watt und sind somit gering.
Da die Gateways teilweise in Schaltschränken eingesetzt werden, sollte auch hier die Entwärmung aktiv stattfinden. Geeignet sind klassische Chipkühler, die aus einer möglichst gut zueinander passenden Lüfter-/Kühlkörperkombination bestehen. Dabei ist es sinnvoll, kleine Gehäuselüfter mit einem Kantenmaß von 20 bis 30 mm einzusetzen. Diese garantieren eine effektive Wärmeableitung, selbst in Situationen mit ungünstigen thermischen Einbaubedingungen oder hohen Umgebungstemperaturen. Eine langfristige Zuverlässigkeit dieses zentralen Anlagenteils ist somit gewährleistet.
AC Wallbox
Die Wallbox dient dem Aufladen von batterieelektrischen Fahrzeugen bis 22kW Ladeleistung. Da hier keine Konvertierung stattfindet, ist die Verlustleistung gering und bedarf keiner Aktivkühlung.
HPC Ladesäule
Unter High Power Charging versteht man eine Ladestation mit einer Ladeleistung bis zu 400kW. Eine Aktivkühlung der Gleichrichter ist in diesem Fall unerlässlich. Passende Lüfter sind leistungsstark und mit PWM-Eingang ausgestattet. Eine Filterung der angesaugten Luft ist wegen des hohen Volumenstromes wichtig. Dazu eignen sich austauschbare Grobstaubfilter. Auch der Einsatz von EMV-Filtern ist unerlässlich. Die engmaschigen Stahlgitter schirmen die Umwelt, vor der im Gerät auftretenden elektromagnetischen Strahlung, ab.
Kostenaspekte
Zur Abfuhr der Verlustleistung und der Einhaltung der Temperaturrestriktionen der Gerätekomponenten muss zusätzlich Geld für Kühlkörper und Lüfter aufgewendet werden. Die Kosten hängen von der Komplexität der Konstruktion ab.
Wirkungsgrad
Der Betrieb eines aktiven Kühlsystems verbraucht Strom und dieser Strom wird dem Gesamtsystem entzogen. Als Folge dessen sinkt der Wirkungsgrad. Durch den Einsatz moderner, elektronisch kommutierter DC-Lüfter ist diese Absenkung aber nur marginal. So kann z.B. ein Axiallüfter mit 10 W Leistungsaufnahme in Kombination mit einem Aluminiumkühlkörper ausreichen, um einen Wechselrichter mit einer Ausgangsleistung von 10 kW zu entwärmen. Das entspricht exakt einem Promille.
Lebensdauer
Elektromechanische Bauteile mit gelagerten Wellen unterliegen dem Verschleiß und der Alterung. Moderne Lagersysteme mit hoher Zuverlässigkeit und langer Lebensdauer erhöhen durch die Absenkung der Temperatur sensibler Bauteile (z.B. Elektrolytkondensatoren) die Lebensdauererwartung des Gesamtsystems.
Die Lebensdauer wird in der technischen Dokumentation von Lüftern in L10 und in MTBF angegeben. L10 ist eine rechnerisch ermittelte Größe. Sie gibt an, wie lange es dauert, bis 10% der Lüfter einer großen Gesamtmenge ausgefallen sind. Grundlage für die Ermittlung sind Laborversuche. Diese werden mit der Weibull-Verteilung auf die gebräuchlichen Einsatztemperaturen umgerechnet. Standardmäßig werden Lebensdauerwahrscheinlichkeiten von Lüftern bei 40 °C angegeben.
MTBF ist die Abkürzung für „Mean Time Between Failure“ und stellt eine weitere Angabe zur Lebensdauer dar und gibt an, wann ein repariertes System wahrscheinlich erneut ausfällt. Da Lüfter nicht repariert werden und die Werte mehrere Jahrzehnte betragen, ist die Aussagekraft für den Anwender eher gering. In Bild 3 wird der große Unterschied zwischen L10 und MTBF (auch MTTF) durch die logarithmische Skalierung verdeutlicht.
Geräuschentwicklung
Die Lautstärke der Aktivkühlung sollte besonders bei Anlagen in Privathaushalten so moderat wie möglich sein. Dabei gilt es nicht nur den Schallpegel zu betrachten. Wichtig ist die intelligente Steuerung der Lüfter über eine breitbandige Drehzahlregelung. Damit ist gemeint, dass über ein pulsweitenmoduliertes Signal (PWM) zwischen 30% und 100% der Nenndrehzahl eingestellt werden können. Die Impulsdauer im Verhältnis zur Periodendauer wird auch Tastgrad genannt. Über den Tachoausgang werden zwei Rechteckimpulse pro Umdrehung ausgegeben. Durch die Auswertung dieses Signals kann der Tastgrad angepasst werden, um somit den Regelkreis zu schließen. Ziel der Regelung soll sein, die Drehzahl so hoch wie nötig, aber so niedrig wie möglich zu halten. Die Angabe der Geräuschentwicklung eines Lüfters ist, ebenso wie die Lebensdauerwahrscheinlichkeit, eine erklärungsbedürftige Größe. Die Messung erfolgt standardisiert in einer Geräuschmesskammer. Der Lüfter wird hierzu in Gummiseilen aufgehängt und in einem definierten Abstand zur Lüfternabe (Lufteintrittsseite) gemessen. Die dazugehörige Norm ist die ISO 7779. Diese legt einen Abstand von 1 m fest. Kleine Lüfter entwickeln so wenig Geräusch, dass die Messung besser in 0,1 m Entfernung durchgeführt wird. In diesem Fall wird dann der ermittelte Wert um 20 dB reduziert. Die Ergebnisse eignen sich zur Orientierung, stellen aber keinesfalls das tatsächliche Geräusch im eingebauten Zustand dar. Wichtige Einflüsse, wie z.B. Montageart, Gehäusebauform, Gehäusematerial, Staudruck oder ungünstige Strömungsbedingungen bleiben bei der Messung unberücksichtigt, haben aber einen erheblichen Einfluss auf das Geräusch des Lüfters. In der Applikation sind die Laborbedingungen nicht reproduzierbar und Schwierigkeiten wie Resonanzen oder geräuschverstärkende Konstruktionen können aufkommen. Diese Schwierigkeiten lassen sich durch Entkopplung, Lüfterauswahl und Dimensionierung in den Griff bekommen.
Wartungsintensität
Lüfter und Kühlkörper sind wartungsfrei und erfordern nur minimale Aufmerksamkeit. Allerdings sollten Lüfter in PV Anlagen regelmäßig kontrolliert werden, um eine zuverlässige und effiziente Kühlung sicherzustellen. Moderne Lüfter sind in der Regel robust und langlebig, können aber dennoch Störungen oder Verschleißerscheinungen entwickeln, insbesondere in Umgebungen mit hoher Belastung oder schwierigen Bedingungen wie Staub, Feuchtigkeit oder hohen Temperaturen. In kritischen Anlagen, in denen eine konstante Kühlung von entscheidender Bedeutung ist, sollten daher regelmäßige Inspektionen und Wartungsarbeiten durchgeführt werden, damit potenzielle Probleme frühzeitig erkannt und behoben werden können.
Aktive Entwärmung spielt in der Nutzbarmachung von Solarstrom eine entscheidende Rolle. Vor allem die unterschiedlichen Spannungsarten und deren Umwandlung ineinander produzieren Verlustleistung. Diese darf unter keinen Umständen zur Überhitzung, oder gar zum Ausfall des Systems führen. SEPA Europe besitzt bereits langjährige Erfahrung in der Belieferung der Branche der Erneuerbaren und unterstützt seine Kunden bei Auswahl, Dimensionierung und Know-how rund um die Elektronikkühlung.